Der Minister und die Katze


Hessens Innenminister Bouffier verwandelte im Winter 1999/2000 einen Untersuchungsausschuß in ein groteskes Schauspielhaus.

In Hessen kam es im Jahr 1999 zu einem Regierungswechsel. Im Anschluß an eine populistische Kampagne zur doppelten Staatsbürgerschaft bildeten CDU und FDP in Hessen eine schwarz-gelbe Koalition unter dem Ministerpräsidenten Roland Koch. Zum Jahreswechsel 1999/2000 geriet dann die Regierung in den Strudel der CDU-Parteispendenaffäre, nachdem sich vermeintliche »jüdische Vermächtnisse« als Gelder herausstellten, die Kochs Vorgänger als hessische CDU-Vorsitzender Manfred Kanther Anfang der 80er Jahre in die Schweiz geschoben hatte, und die nun zurücktransferiert wurden.

Aber die hessische Landesregierung hatte noch eine weitere Groteske zu bieten: Den Innenminister Volker Bouffier (CDU), der sich schon kurz nach seinem Amtsantritt mit Ermittlungen konfrontiert sah, die sich mit seiner Rolle als Anwalt in einem Scheidungsprozeß auseinandersetzen, in dem er die Eheleute gegeneinander ausgespielt haben soll. Zu der Zeit erzählte Bouffier einem Journalisten, daß eine tote Katze vor seinem Haus gelegen haben soll, die »nach Mafia-Art stranguliert und mit Schleifchen verziert« gewesen sein soll. Die abstruse Katzen-Geschichte entwickelte sich zu einem Selbstgänger.

Bouffier wurde wegen des Parteienverrates in der Ehesache zu einer Geldbuße von 8000 D-Mark (ca. € 4000,-) verurteilt. Da beschäftigte sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß noch mit der Angelegenheit. Ein Entlassungsantrag der Opposition gegen den Minister scheiterte indes.

Im Untersuchungsausschuß, der sich auch mit dem Scheidungsverfahren beschäftigte, wurde nach dem Interview des Ministers nun auch die tote Katze zum Thema. Immerhin hatte Bouffier vier Wochen gewartet, bis er nicht etwa der Polizei, sondern der Presse von der Katze erzählte. Die anrührige Geschichte von der strangulierten Katze, die mit Schleifchen versehen vor seiner Haustür gelegen haben soll, gipfelte darin, daß 22 Polizisten in der Sache vor dem Untersuchungsausschuß antreten mußten. Die Polizisten wollten jedoch des Ministers Version nicht so recht bestätigen. Eine tote Katze sei gefunden worden, aber nur in der Nähe des Hauses des Ministers, und sie sei wohl dort überfahren worden.

Mittlerweile erklärte Bouffier, daß er selbst die Katze nie gesehen habe und wunderte sich, daß große Zeitungen über die Todesursache der Katzen spekulierten, was dann doch ein wenig überrascht, zumal er den Stein selbst ins Rollen gebracht hatte. Inzwischen durfte sich der Herr Minister mit Karikaturen herumschlagen, in denen er seinen Amtseid auf eine tote Katze leistete.

Folgen hatte dies für den Minister jedoch nicht, er gehört noch heute dem Kabinett Roland Kochs als Innenminister an.


Die Geschichte um den Minister Bouffier und seine tote Katze habe ich im Jahr 2013 zu einem Krimi gemacht. Details gibt es hier!

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