Hitzefrei!


So langsam scheint doch der ein oder andere über die Hitze zu stöhnen, wenn auch nicht vergleichbar mit dem unsäglich Gejammere über den diesjährigen Winter. Während der Winter 2009/2010 in diesen Breiten weder ungewöhnlich streng noch lang war – früher waren alle Winter so wie dieser, nur die milden Winter der Vorjahre haben uns das ein wenig vergessen lassen -, ist der diesjährige Sommer doch ungewöhnlich heiß. Auch wenn bislang noch keine Palmen bei Münster/Westf. gesichtet wurden.

Dafür aber wurden an diesem Wochende zahlreiche Jugendliche nicht weit von Münster, nämlich in Bielefeld, aus einem ICE gerettet, von denen neun gleich ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Die Klimaanlage im Zug hatte versagt, und in der Sache ermittelt jetzt die Polizei wegen unterlassener Hilfeleistung. Wieder einmal zeigt sich, daß die privatisierte Bahn AG notorische Probleme mit der Wartung hat, die ständig wegen des Schielens auf den Börsengang zurückgestellt zu werden scheint. Auch wenn die Bahn erklärt, daß es Einzelfälle seien berichten Reisende davon, daß immer wieder mal gerne in Zügen zumindest in einzelnen Waggons die Klimaanlage ausfällt.

Und während die Straßenschäden vom letzten Winter noch nicht vollständig repariert sind, gibt es inzwischen auch Hitzeschäden auf den Straßen wie Blasenbildung oder verschobene Platten auf Autobahnen. Dank der zahlreichen Steuersenkungen fehlt nunmehr das Geld, unsere Infrastruktur wetterfest zu machen.

Und dann natürlich nicht zu vergessen die regelmäßigen Wetterphänomene wie heftige Gewitter oder Stürme wie Kyril. Insbesondere die Bahn plagen solche Ereignisse besonders, und dabei kann man sich nicht erinnern, daß es zur Zeit der ach so verpöhnten Bundesbahn genauso gewesen war. Könnte natürlich daran liegen, daß sich die Bundesbahn mehr Mühe gegeben hat, den Betrieb am Laufen zu halten, und daß die damaligen Bahnbeamte den heutigen Managern eben doch haushoch überlegen waren. Das geflügelte Wort »Pünktlich wie die Bahn« wird heute indes nur noch ironisch verwendet.

Während im Winter auch schon das Gejammere darüber einsetze, was dieser wohl der Wirtschaft koste, war in diesem Sommer bislang noch nicht so viel davon zu hören. Aber das kommt vielleicht noch. Immerhin setzte das Geheule diesbezüglich wegen der Aschewolke des Eyasonstwiewas-Vulkans auf Island relativ schnell ein, obwohl es sich hier ja auch um ein Naturereignis handelte.

Schwitzen dürften auch die Klimaexperten, die nunmehr vor der Frage stehen, ob sie über angesichts des zum Super-Winter hochgeschriebenen Normalereignisses von December bis März über die nächste Eiszeit oder angesichts dieses Sommers über die Erderwärmung schwadronieren sollen – ohne die Diskussion um die Klimaveränderung über die Maßen ins Lächerliche ziehen zu wollen. Nur über die Experten, die zuweilen geradezu diensteifrig durch die Medien gereicht werden, soll hier ein wenig gelästert werden, denn es drängt sich zuweilen der Eindruck auf, daß einem allgemeinen Trend nach dem Munde geredet wird.

Was bleibt noch vom Wochenende? Ach ja, die Ölglocke. Seit bald drei Monaten müht sich BP im Golf von Mexico damit ab, die Folgen ihrer eigenen Fehlentscheidung zu reparieren. Weil man am Ventil sparen wollte, kann man bald den ganzen Konzern zumachen. Und ausgerechnet Exxon, der vor Jahrzehnten selbst für eine gewaltige Ölpest verantwortlich zeichnete, möchte nun BP übernehmen. Das sind die Experten!

Und das Wetter? Es bleibt hieß. Es empfiehlt sich also, weiterhin auf Hitzefrei zu hoffen, zumindest an den Schulen, und darauf, daß in der Öffentlichkeit vielleicht doch mal ein Bewußtsein dafür eintritt, daß Private es eben nicht besser können als der Staat, sondern daß es mit Blick in die Geschichte der Bundesrepublik oftmals eher wohl umgekehrt war.

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