Street View – schon schlimm?


Ist Street-View tatsächlich so schlimm? Wird künftig nicht mehr im Fernsehen vom Karneval berichtet werden können, weil bei der Übertragung auch Hausfassaden gezeigt werden, wogegen die Einwohner widersprechen könnten? Darf die Kunsthistorikerin nicht mehr historische Häuser photographieren und in einem Bildband veröffentlichen?

In der letzten Zeit wird einiges dramatisiert im Zusammenhang mit Street View von Google. Es entsteht der Eindruck, als seien hier auch Interessen involviert, die die Durchsetzung dieses Online-Dienstes mit Druck verfolgen. Dazu sind dann auch die oben genannten Befürchtungen, die allesamt in den letzten Wochen in den Medien geäußert wurden, nicht zu absurd. Wird man künftig tatsächlich keine Häuser mehr photographieren dürfen, wenn die Verarbeitung der Daten durch Street-View eingeschränkt wird? Hängt vom Gesetz ab, welches hierfür gestrickt würde. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Gesetz kommt, ist indes eher gering: Innenminister und Bundesregierung gehen hier von keinem besonderen Handlungsbedarf aus.

Divese Verwendungszwecke von Street View wurden in den vergangenen Wochen diskutiert. Offensichtlich wird auch geplant, Werbeplakate in die Straßenzüge zu montieren, wo keine sind. Das wären sicher gute Einnahmequellen für Google, wenn ein solches Konzept umgesetzt würde. Und es ist ja auch naheliegend, daß mit einem solchen Dienst vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt werden und nicht etwa dem Urlauber ermöglicht werden soll, sich sein Hotel schon mal von zu Hause aus von außen anzugucken.

Sollte Widerspruch eingelegt werden gegen die Abbildung des eigenen Hauses bei Street-View? Ja, aber aus prinzipiellen Erwägungen und nicht, weil künftig keine Hausfassaden mehr abgebildet werden sollten. Sinnvolles Motiv für eine Ablehnung wäre, Google nicht so ohne weiteres die Sammlung weiterer Daten durchgehen zu lassen. Natürlich ist es weitgehend Unsinn, bei der Ablichtung eines Hauses, die auch jedem Hobbyphotographen möglich ist, eine Verletzung des Datenschutzes anzunehmen.

Mit einer Einschränkung allerdings: Die Google-Kamera wird in einer Höhe von 2.50 Metern durch die Straßen geführt. Das bedeutet, daß sie auch über Hecken und Zäune gucken kann, was so einem normal Sterblichen – Menschen von einer Größe von 2.50 Metern gibt es bislang nicht – nicht möglich ist. Hier liegt in der Tat eine Verletzung der Privatsphäre, die unterbunden werden sollte. Also: Runter mit der Google-Kamera auf eine Höhe von 1.75 bis 1.90 Metern.

Darüber hinaus wäre es vielleicht auch an der Zeit sich Gedanken darüber zu machen, ob wir nicht nur hier sondern auch bei anderen Gelegenheiten die Datensammelei durch Wirtschaftsunternehmen einschränken sollten. Insbesondere bei der Erstellung von Kundenprofilen durch Wirtschaftsunternehmen wäre das Eingreifen des Gesetzgebers viel notwendiger als bei der Photographie von Hausfassaden.

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