Ein Placebo der Bahn-AG


Die privatisierte Bahn-AG möchte etwas für ihr Image tun und wird im December die Preise nicht erhöhen – im Fernverkehr. Im Nahverkehr, wo viel mehr Kunden betroffen sind, werden auch zu diesem Fahrplanwechsel die Preise wieder steigen.

Offensichtlich meinte die Bahn-AG nach dem Desaster vom Sommer etwas tun zu müssen, um zumindest den Anschein zu erwecken, daß sie auch mal den Kunden einen Gefallen tut. Doch ist der Verzicht auf die Preiserhöhung im December nichts weiter als ein Placebo. Die Probleme bei der Bahn liegen viel tiefer und sind mit schönen Worten und den Verzicht auf eine Fahrpreiserhöhung im Fernverkehr nicht zu beheben.

Da sind die vielen Langsamfahrstrecken, die mittlerweile in die Fahrpläne integriert wurden, damit sie nicht so offensichtlich sind. Die vielen schlecht gewarteten Gleise, die vielen kleinen Bahnhöfe, auf denen keine Angestellten mehr anzutreffen sind, sofern nicht gerade ein Zug dort hält und die Ausdünnung des Bahnnetzes. Unternehmen, die eine Gleisanbindung aus alten Bundesbahnzeiten haben und diese gerne weiter benutzen würden, klagen über eine Blockadehaltung der Bahn-AG, insbesondere, wenn der Güterverkehr von einem Konkurrenten der Bahn-AG erledigt werden soll.

All dies zeigt ein- und nachdrücklich, daß es ein Fehler war, die Bahn zu privatisieren. All diese Dinge funktionierten deutlich besser als die Bahn-AG noch staatlich war und Beamte den Bahnverkehr organisierten. Die vielen Unfälle, die ständigen Berichte über mangelhafte Wartung sind eine Folge der Privatisierung der Bahn. Der Konzern will sparen, um sich fit für die Börse zu machen, und er spart an der Wartung, was am deutlichsten an der S-Bahn in Berlin zu sehen ist, aber auch an den Vorfällen im Bahnbetrieb der Bahn-AG im Fernverkehr.

Bedauerlicherweise reicht auch die Politik ihre Hand zu diesem Kurs der Bahnchefs. Die schwarz-gelbe Koalition hat eine entsprechend hohe Renditeerwartung an die Bahn formuliert und setzt damit das auf Profit und Börsengang fixierte Management noch mehr unter Druck. Es kann also nicht nur bei der Forderung nach Verstaatlichung bleiben, sondern auch in der Politik muß wieder ein Bewußtsein entstehen, daß der Erfolg der Bahn nicht in der Rentabilität sondern im sicheren und flächendeckenden Personen- und Gütertransport liegen muß. Eine verstaatlichte Bundesbahn, die wieder von Beamten geleitet wird und dem Leitbild der umweltfreundlichen Alternative zum Auto folgt, kann mit der Zeit die Schäden wieder beheben, die die Privatisierung und das privatwirtschaftliche Management der Bahn angerichtet haben.

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