Zementiert: Mitgliedschaft in der privaten Krankenversicherung


Das Politik-Magazin Kontraste (ARD) hat in seiner gestrigen Ausgabe über die Probleme privat krankenversicherter Patienten berichtet, eine vernünftige Behandlung bei einem Arzt zu bekommen. Wer als Selbständiger privat krankenversichert ist, muß zuweilen in den Basis-Tarif wechseln, wenn er sich die Beiträge zu seinem bisherigen Tarif nicht mehr leisten kann, weil er zum Beispiel seine Selbständigkeit aufgeben muß oder aus anderen Gründen in Hartz IV fällt. Billig ist dieser Traif nicht: Er kann bis zu 580 Euro im Monat kosten.

In solchen Fällen jedoch bleibt den Betroffen laut Kontraste keine Wahl: Der Weg in die gesetzliche Krankenversicherung ist ihnen versperrt. In Verhandlungen zwischen der kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Verband der privaten Krankenversicherungen wurde indes dafür gesorgt, daß der Basis unattraktiv wird. Die Bezahlung der Ärzte für ihre Behandlung ist geringer als bei den Patienten, die gesetzlich krankenversichert sind. So werden die Patienten, die im Basistarif der privaten Krankenkassen versichert sind, zu Patienten dritter Klasse, weil die Ärzte bei deren Behandlung zuweilen gar draufzahlen müßten.

Die einfachste Lösung für dieses Problem wäre, die gesetzlichen Hürden zwischen privaten und gesetzlichen Krankenkassen einfach einzureißen und auf diese Weise dafür zu sorgen, daß die Betroffenen einfach wieder von der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche wechseln können. Für diese Beschränkung bei der Wahl der Krankenkassen gibt es keine sachliche Begründung. Sie ist ein Ergebnis von Lobbyarbeit der privaten Krankenkassen, die auf diese Weise Patienten an sich binden wollen und können.

Die private Krankenversicherung lockt insbesondere junge und gesunde Menschen mit niedrigen Tarifen. Wenn sie dann älter (und kränker) werden, explodieren die bis dahin niedrigen Beiträge jedoch, und so mancher Versicherter gerät gar in finanzielle Bedrängnis, zumal ihm der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung versperrt ist.

Abhilfe dürfte jedoch auf absehbare Zeit kaum zu erwarten sein, denn der Gesundheitsminister Phillip Rösler gehört der FDP an und hat überdies einen Lobbyisten der privaten Krankenversicherung in sein Ministerium geholt. Überdies ist die FDP die einzige Partei, die eine Gruppenvereinbarung mit der privaten Krankenversicherung abgeschlossen hat, wodurch ihre Mitglieder günstigere Tarife bekommen. Zwar ist die FDP ansonsten für den freien Wettbewerb, jedoch fällt auf, daß sie an dieser Stelle so gar nicht bemüht ist, für Wettbewerb zu sorgen – wohl wissend, daß den privaten Krankenversicherungen dann zahlreiche Leute davonlaufen würden, die die Versicherungen wohl auch nie wiedersehen würden.

Auch dies zeigt einmal mehr, wie überflüssig die privaten Krankenversicherungen sind. Die beste Lösung wäre die solidarische Bürgerversicherung, die zugleich mit einem massiven Abbau der zahlreichen Zuzahlungen für die Patienten einhergehen sollte. Eine solche Lösung – eine Kasse für alle – wäre nicht nur kostengünstiger und effizienter sondern würde auch zahlreiche Mittel freimachen, die den Patienten und ihrer Behandlung zugutekämen.

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