Wintersonne


In der Politik-Community dol2day schrieb ich letztens, daß der Winter, den wir im vorigen Jahr erlebt haben, eigentlich ganz normal war für diese Breiten. Er war nicht über die Maßen kalt und die Schneemenge bewegte sich in dem Rahmen, den ich auch aus meiner Jugend in den 80er Jahren kenne. Vom »Bibber-Winter«, wie die Bild-Zeitung voriges Jahr titelte, kann also keine Rede sein.

Freunde aus Bielefeld berichteten mir, daß die Stadt Verzögerungen bei der Sanierung der Detmolder Straße damit begründeten, daß es einen »ungewöhnlich langen und harten Winter« gegeben habe. Offensichtlich hat man dort auch die Bild-Zeitung gelesen. Eigentliche Ursache der vermeintlichen Verzögerung dürfte wohl eher gewesen sein, daß man sich bei der Planung der Sanierungsmaßnahme darauf verlassen hat, daß die Winter weiterhin so ungewöhnlich mild bleiben würden wie in den Jahren zuvor, und daß man die Bauarbeiten an der Detmolder Straße allenfalls von Mitte December bis Ende Januar unterbrechen müßte.

Auch die Nachdenkseiten berichten heute, daß wohl das Gerede von den Super-Wintern eher zur Verschleierung der Folgen der Privatisierung dient und es sich um Meinungsmache handelt. Das ist in der Tat nicht auszuschließen, denn was der Leser in der dort veröffentlichten Mail berichtet entspricht auch meiner Erinnerung. Auch früher gab es Winter mit viel Schnee, aber Medienberichte über Salzknappheit oder Problemen bei der Räumung der Straßen waren nicht bekannt. Auch die Bahn redete damals – vor ihre Privatisierung – nicht über das Wetter sondern kam mit den schneereichen Wintern gut zurecht.

Erst seit dem die Infrastruktur privatisiert wurde stellen ganz normale Winter offenbar ein Problem dar. Massenhafte Verspätungen bei der Bahn, Störungen im Stromnetz, umgeknickte Strommasten und so weiter. Dies sind alles Folgen der Steigerung der ökonomischen Effizienz, will heißen, der Gewinne der inzwischen privatisierten Unternehmen, die vor allem am Personal und an den Inventionen in die Infrastruktur gespart haben. Das würde öffentlich natürlich niemand von den Privatisierungsfans zugeben. Der Staat konnte es eben doch besser als die Privaten.

Ich selbst freue mich darüber, daß die Winter endlich wieder Winter und nicht nur etwas frischere Sommer sind. Schneelandschaften sind etwas Schönes und es ist letztlich auch lustig anzusehen, wie die Kinder auch die kleinsten Erhebungen nutzen um dort mit ihren Schlitten herunterzurodeln.

Daß die Winter jetzt wieder zur Normalität zurückkehren hat auch etwas Beruhigendes, wenngleich auch hinsichtlich des Klimas Entwarnung nicht angesagt ist. Vielleicht sollten auch die Gipfelteilnehmer in Cancún die Wintersonne ein wenig genießen und darüber nachdenken, ob es sich nicht doch lohnt, mehr Anstrengungen zum Schutz unseres schönen Planeten zu unternehmen.

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