Dr. Guttenberg oder einfach nur Guttenberg?


»Dr. Keith, würden Sie…«, hob die Journalistin an.

»Mr. Keith«, korrigierte Charles Keith, Chef der bemannten Raumfahrt im Film »Verschollen im Weltraum« (»Marooned«), dargestellt von Gregory Peck. Eine vergleichbare Korrektur nur mit größeren Folgen könnte demnächst Verteidigungsminister zu Guttenberg bevorstehen, dessen Doktor vom ARD-Kommentator Sigmund Gottlieb in seinem jünsten Kommentar so betont wurde.

Wer selbst schon mal eine wissenschaftliche Arbeit an einer Universität geschrieben hat weiß, daß besonders auf das korrekte Zitieren Wert gelegt wird. Insbesondere in Geisteswissenschaften, in denen die Schaffung neuer Texte wesentlich auf die Berufung existierender Texte beruht, wird höchster Wert auf die korrekte Zitation gelegt. Insofern ist es selbstverständlich, daß gerade bei einer Doktorarbeit beim Zitieren nicht herumgeschlampt werden kann.

Freunde von der Uni Bielefeld haben mir berichtet, daß sie dort in Politikwissenschaften gar schon unter die normalen Hausarbeiten eine eidesstattliche Versicherung abgeben mußten, daß sie alle Zitate gekennzeichnet hatten. Wer beim Abschreiben erwischt würde, hätte die Prüfung, deren Bestandteil die Hausarbeiten waren, nicht bestanden. Beim Abfassen der Bachelor- oder Master-Arbeit können Plagiate ebenfalls zum Nichtbestehen der Prüfung oder posthum zum Verlust des Titels führen. Auch hier wird die entsprechende Erklärung abgegeben.

Die Nachdenkseiten kritisieren zu Recht, daß mit von und zu Guttenberg jetzt so viel Nachsicht geübt wird. Weil er als Hoffnungsträger der Konservativen aufgebaut wurde, könne man über das bißchen Abschreiben bei der Doktorarbeit hinwegsehen.

Guttenberg ist nicht der einzige Doktor, der seine Arbeit mitten aus dem parlamentarischen Berufsleben heraus geschrieben hat. Auch Familienministerin Schröder verfaßte ihre Disssertation parallel zu ihre parlamentarischen Tätigkeit. Auch hier wurde bereits der Verdacht geäußert, daß sie sich dabei allemal hat helfen lassen oder ihr zumindest Zugang zu Material ermöglicht wurde, zu dem andere Studenten nicht so ohne Weiteres Zutritt haben.

Episode oder nicht: Wer eine wissenschaftliche Arbeit schreibt um sich hinterher mit dem Doktortitel zu schmücken, sollte dies auch tatsächlich selbst tun und die Arbeit ernst nehmen. Da kann es dann auch für politische Stars keine Nachsicht bei der Bewertung geben, denn das wäre allemal ungerecht gegenüber den zahlreichen Doktoranten, die sich täglich mühen und ihre Arbeiten ehrlich selbst schreiben.

Ein letzter Trost bleibt dem Verteidigungsminister jedoch: Auch wenn ihm der Doktortitel aberkannt werden sollte, darf er sich zumindest doch weiterhin von und zu Guttenberg nennen, denn zumindest der Adelstitel ist echt – hoffentlich!

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