Guttenberg, die Medien und der »Fehler«


Heute hat sich zu Guttenberg persönlich geäußert. Während die Journalisten auf der Bundespressekonferenz warteten, verlas er seine Erklärung im Verteidigungsministerium vor einer Auswahl handverlesener Journalisten – man möchte sagen, Hofberichterstatter. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, kann bezweifelt werden, denn mittlerweile ist ein Protestschreiben der Bundespressekonferenz ergangen. Die Journalisten sind sauer, und das zu Recht, denn als Minister steht Guttenberg in der Öffentlichkeit und ist der Öffentlichkeit gegenüber Rechenschaft Schuldig. Möglich auch, daß die Journalisten den von ihnen hochgelobten und -geschriebenen Minister nun fallen lassen werden.

Es geht immer noch um die Plagiate, und dabei schälen sich immer neue Fragen heraus. Hat dieses Land eigentlich keine größeren Probleme? Soll hier nicht einfach ein fähiger und beliebter Politiker von Neidern kaputtgemacht werden? Haben nicht andere Leute in ihren Doktorarbeiten auch abgeschrieben? Sind andere Politiker nicht viel verlogener?

Es ist wirklich erschreckend, in welcher Weise dieser vor allem durch die Medien beliebt gemachte Politiker verteidigt wird. Natürlich gibt es auch andere Probleme, aber ein Minister, der in seiner Doktorarbeit seitenweise andere Texte übernimmt ohne sie als Zitate zu markieren – und nur darum geht es -, ist eben auch ein Problem, das in der Öffentlichkeit gewürdigt werden muß, vor allem dann, wenn er sich selbst in der Weise als Glaubwürdig stilisiert, wie es zu Guttenberg immer wieder gerne tut.

Besonders aggressiv vertreten die Guttenberg-Anhänger die These der Neider, die diesem hervorragenden Politiker den Erfolg nicht gönnen. Kurt Kister schrieb in der Süddeutschen Zeitung gar von den Neidern im linken Spektrum, die sauer seien, weil es seit Willy Brandt keinen populären linken Politiker mehr gegeben habe (vgl. Kister, Kurt: Guttenbergs Ruf in: Süddeutsche Zeitung vom 18.02.2011, Seite 3).

Doch worum geht es eigentlich wirklich? Freiherr zu Guttenberg betont, daß er die Zitate nicht absichtlich ohne Quelle in seine Dissertation übernommen hätte. Aber es ist im Grunde irrelevant, ob zu Guttenberg die Fußnoten vorsätzlich oder fahrlässig weggelassen hat. Der Doktortitel – zumal wenn er »mit höchstem Lob« vergeben wird – ist der Nachweis der Befähigung, wissenschaftlich zu arbeiten. Diese Fähigkeit geht der Arbeit zu Guttenbergs eindeutig ab, wenn man die vielen inzwischen gefundenen Stellen entdeckt, wo der Quellennachweis unterblieben ist.

Die Arbeit muß allemal neu bewertet und der Doktortitel aberkannt werden. Begrüßenswert wäre darüber hinaus, wenn die irreführende öffentliche Diskussion beendet würde, die in peinlicher Weise versucht, zu Guttenbergs Versagen bei der Erstellung seiner Doktorarbeit zu relativieren. Jeder mache Fehler. Man solle sich auch mal die Doktorarbeiten anderer Politiker anschauen. Aber was wird dadurch eigentlich besser, mal abgesehen davon, daß es ein ziemlich plumper Versuch zu unterstellen ist, daß alle Doktoren bei ihren Arbeiten »schummelten«.

Eine weitere Frage wird in der Öffentlichkeit kaum thematisiert: Wieso eigentlich konnte die Guttenberg’sche Arbeit, die er abgab als seine politische Karriere bereits begonnen hatte, so gut bewertet werden, wenn sie so offensichtliche Schwächen hat? Haben sich die Doktorväter vom Adelstitel und vom aufstrebenden Politiker blenden lassen? Erfreulich ist es jedenfalls nicht für die Universität Bayreuth, daß eine dermaßen schwache Arbeit dort mit »summa cum laude« bewertet wurde.

Auch der Öffentlichkeit gilt es nunmehr zu vermitteln, daß da nicht jemand einfach »einen Fehler« gemacht hat. Heribert Prantl schreibt in seinem Kommentar von heute, daß sich zu Guttenberg in die Welt der Wissenschaft begeben hat, um mit dem Doktortitel in seiner Welt zu glänzen (vgl. Prantl, Heribert: Man kann auch über Fußnoten stolpern). Daher muß zu Guttenberg auch die Maßstäbe der Wissenschaft für sich gelten lassen. Er hat in einem der zentralen Merkmale des wissenschaftlichen Arbeitens versagt, nämlich der korrekten Zitation.

Die Problematik reicht indes weiter. Schon vor einigen Monaten geriet Familienminsterin Kristina Schröder (CDU) ins Gerede, weil sie sich offenbar bei ihrer Promotionsarbeit hatte helfen lassen und dem Bundestagsabgeordneten Dieter Jasper (CDU) wurde der Doktor-Titel aberkannt, weil dieser die entsprechende Dissertation gekauft hatte. (vgl. Es läuft nicht gut für Guttenberg). Hierin könnte indes der letzte Super-GAU für zu Guttenberg liegen, nämlich wenn er zugeben müßte, daß ein Ghostwriter die Doktorarbeit für ihn geschrieben hätte (vgl. Die Angst vor der »halben Großkatastrophe«).

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter CDU/CSU, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s