zu Guttenberg, 3. Teil


Heute hat sich zu Guttenberg vor dem Bundestag zu der Plagiatsaffäre geäußert. Der Kommentator der Süddeutschen Zeitung, Nico Fried, kommt in seinem Kommentar »Guttenberg und die Quadratur des Kreises« zu dem Schluß, daß zu Guttenberg überzeugt habe, die Grünen sich lächerlich machten, indem sie auf den Dr. zu Guttenberg bestanden und die Opposition an sich nicht so recht in Fahrt gekommen sei – eine merkwürdige Schlußfolgerung nach dem heutigen Tag im Bundestag.

zu Guttenberg verwies ständig darauf, daß er sich doch entschuldigt habe und auf den Titel verzichte. Die Opposition wies indes zurecht darauf hin, daß letzteres gar nicht möglich sei, weil nur die Universität den Titel entziehen könne, was sie dann am Abend auch tat. Zur Frage, ob zu Guttenberg mit Vorsatz gehandelt habe oder nicht, wollte sich die Universität Bayreuth nicht äußern. Eine Untersuchungskommission soll nun die Arbeit prüfen, die allerdings jetzt schon genug Fehler hergab, um zu Guttenberg den Titel zu entziehen. Die Frage, ob absichtsvoll gehandelt wurde, spielte dabei keine Rolle, denn die Arbeit sei an sich unzulänglich gewesen und entsprach nicht wissenschaftlichen Standards (Quelle: SZonNet: »Kein bloßer Bagatellfall«).

Dabei hatte die Uni offenbar kein Interesse daran, die Frage nach dem Vorsatz sofort zu beantworten, wenngleich in dem oben zitierten Artikel der Süddeutschen Zeitung darauf verwiesen wurde, daß die Verwaltungsgerichte in solchen Fällen, wo viel kopiert wird, davon ausgehen, daß Vorsatz vorliegt. Diesen Vorsatz bestritt zu Guttenberg im Bundestag nach wie vor.

Nach wie vor ist der Vorfall jedoch peinlich für die Universität, und es entsteht durchaus der Eindruck, als wolle man sich jetzt in Bayreuth von der Bühne schleichen und die wirklich kritischen Fragen auf einen Zeitraum vertagen, zu dem das öffentliche Interesse sich anderen Dingen zugewendet hat.

Doch zur Zeit der aktuellen Stunde hatte zu Guttenberg formal noch den Doktortitel, und insofern war es nicht lächerlich, wie Nico Fried in seinem Kommentar lästert, sondern zutreffend, daß die Grünen darauf hinweisen wollte, daß es nicht in zu Guttenbergs Zuständigkeit fällt zu entscheiden, ob er den Doktor trägt oder nicht. Das ist in der Tat keine Spitzfindigkeit sondern auch eine Frage der mangelnden Demut zu Guttenbergs gegenüber den zuständigen Gremien.

Auch ist Nico Frieds Beobachtung, die Opposition sei nicht in Fahrt gekommen, nicht zu teilen. Insbesondere SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann und Linke-Fraktionsgeschäftsführer Bartsch ließen in ihren Reden keinen Zweifel an dem Ausmaß des Skandals, den die Plagiatsaffäre zu Guttenbergs politisch darstellt. Nicht nur, daß er als Verteidigungsminister auch Dienstherr über zwei Bundeswehruniverstitäten ist, letztlich hat er, was er ja auch einräumt, ein schlechtes Vorbild gegeben. Seine Verteidiger tun dies gerne ab und verweisen auf seine vermeintlichen Erfolge als Verteidigungsminister und seine Beliebtheit in der Bevölkerung.

Doch gerade Beiträge wie die von Nico Fried tragen dazu bei, diese im Wesentlichen von den Medien herbeigeschriebene Beliebtheit nicht zu beschädigen. Es geht nicht um eine Kleinigkeit, sondern um eine persönliche Verfehlung eines Mannes, der seine Wertorientierung ansonsten wie eine Monstranz vor sich her trägt. Auch die spitzfindigen Einlassungen zu Guttenbergs, daß die Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes für ihn als Abgeordneten erstellt wurden und er sich bei zahlreichen anderen Gelegenheiten darauf bezogen habe ändert nichts an der Tatsache, daß sie nicht so ohne Weiteres in seiner Dissertation verwendet werden konnten – schon gar nicht ohne entsprechenden Zitatennachweis.

Wesentliche neue Erkenntnisse hat also die Sitzung des heutigen Bundestages nur in der Hinsicht erbracht, daß zu Guttenberg weiterhin an seinem Amt festhalten will, und daß ihn die Koalition dabei unterstützt. Die Opposition wird diese Geschichte jedoch nicht auf sich beruhen lassen, und das ist gut so. Denn es geht eben nicht um ein paar läßliche Fehler, sondern es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Zurecht wies die Opposition immer wieder darauf hin, daß studentische Soldaten, die an den Bundeswehruniversitäten bei ihren Arbeiten getrickst hätten, nicht nur den Titel entzogen bekämen, sondern auch aus der Armee entlassen würden.

Und gerade weil das so ist, sind alle Bagatellisierungsversuche nach dem Muster »wer hat sich denn in der Schule keine Spickzettel gemacht?« völlig unangebracht und gehen total an der Sache vorbei. Wenn hier wirklich ein Signal gesetzt werden soll, daß der Doktortitel in Deutschland noch etwas wert ist, dann muß die Konsequenz für zu Guttenberg mehr sein als der bloße Entzug des Doktortitels. Wenn andere Menschen hierfür härter bestraft werden als der Minister, dann bleibt nicht nur der fade Geschmack, daß man an der Uni Bayreuth offenbar nicht so genau hingeschaut hat, als man die Arbeit zu Guttenbergs mit dem höchsten Lob auszeichnete, sondern daß offenbar jetzt noch einmal die Justiz nicht so genau hinschauen möchte. Ist ein medial hochgejubelter Politiker einen solchen Preis wirklich wert?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter CDU/CSU, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s