Universität Bayreuth sammelt den Doktor ein


In einer eiligen Aktion hat die Universität zu Bayreuth den Doktortitel zu Guttenbergs zurückgezogen. Alles weitere soll jetzt eine Kommission klären, nämlich die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft. In diesem Gremium wird dann auch diskutiert und bewertet werden, ob Vorsatz oder Fahrlässigkeit vorliege. Anzeigen gegen zu Guttenberg liegen der Staatsanwaltschaft ohnehin schon vor.

Mit der eiligen Aktion setzt sich die Universität Bayreuth dem Verdacht aus, die Geschichte schnell vom Tisch bekommen zu wollen und alles weitere in eine fernere Zukunft verschieben zu wollen, wenn das Thema nicht mehr im Zentrum der Medien steht. Die Sache ist an sich bereits unangenehm für die Universität Bayreuth.

Dabei wird in der Öffentlichkeit bislang nur am Rande diskutiert, wie es eigentlich passieren konnte, daß eine solch unzureichende Leistung wie die Dissertation von zu Guttenberg durch die Uni Bayreuth mit summa cum laude, also mit höchstem Lob bewertet wurde. Das ist unerfreulich für die Universität und mehr noch für jene, die bislang dort ihren Doktor gemacht haben, und dabei im Gegensatz zu zu Guttenberg wissenschaftlich sauber gearbeitet haben.

Wie dem auch sei, die Universität Bayreuth ist sichtlich bemüht, die Angelegenheit des Doktortitels zu Guttenbergs zu entsorgen. Das Werbevideo der juristischen Fakultät, auf dem auch zu Guttenberg zu sehen ist, der Jura an der Universität Bayreuth empfiehlt, wurde durch die Universität von YouTube entfernt. (Link u.a. in einem Beitrag der Nachdenkseiten und im quer-Blog.)

Aber kann es dabei wirklich bleiben? Läßt sich die Erinnerung an diese Affäre tatsächlich ausradieren wie ein lästig gewordener Videobeitrag auf YouTube? Nicht, wenn man die Wissenschaften ernst nimmt, meint Thomas Steinfeld in seinem Kommentar »Die verachtete Wissenschaft« in der Online-Version der Süddeutschen Zeitung von heute. Auf der einen Seite Exzellenz-Initiativen zu veranstalten und auf der anderen Seite das Schummeln in der Doktorarbeit als kleinen Fehler zu betrachten, der auf die politische Karriere des Schummlers keinen Einfluß hat, paßt nicht zusammen, kritisiert Steinfeld zu Recht in seinem Kommentar.

Hier liegt nunmehr auch eine wesentliche Verantwortung für die Universität Bayreuth. Sie darf diesen Fall nicht zu den Akten legen. Sie darf sich nicht auf die Flucht begeben vor der Frage, ob zu Guttenberg vorsätzlich gehandelt hat aus Angst, man könne sich mit der veröffentlichten Meinung anlegen. Notwendig ist die Klärung dieser Frage auch im Namen der zahllosen Menschen, die in Bayreuth promoviert haben ohne zu betrügen.

Hat zu Guttenberg denn betrogen? Mehr und mehr verbreitet sich die Ansicht, daß die Vielzahl der unterlassenen Quellennachweise kaum mehr die Einschätzung zulassen, hier wäre geschlampt worden. Mittlerweile geht es auch um die Frage der Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Das darf nicht einfach alles weggewischt werden, weil einige Medien – und allen voran die Zeitung mit den großen Buchstaben – der Meinung ist, Guttenberg sei ein politisches Talent, welches man nicht kaputtmachen dürfe. Wenn man sich auf diese Frage überhaupt einlassen wollte, dann doch nur mit dem Hinweis, daß er sich selbst beschädigt hat, denn er hat die Arbeit an der Universität eingereicht.

Wie man es auch dreht und wendet: Die Universität Bayreuth darf so lange nicht aus ihrer Verantwortung gelassen werden, bis sie den Vorfall lückenlos aufgeklärt hat inklusive der Frage, ob zu Guttenberg vorsätzlich oder fahrlässig die unwissenschaftliche Arbeit abgegeben hat.

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