Zu Guttenberg-Demo in Hamburg


Der Bund der Bild-Leser und die uneinsichtigen Adelsfans kommen heute in Hamburg zusammen um für die Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs in Amt und Würden zu demonstrieren. Inspiriert von den Aufständen in Ägypten und Libyen wollen sie sich dafür einsetzen, daß der ihrer Meinung nach von den Medien und linken Neidern zur Strecke gebrachte Freiherr wieder in die Politik zurückkehrt. zu Guttenberg wird es schmeicheln.

Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wie uneinsichtig die Anhängerschaft des Plagiators zu Guttenberg ist. Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, daß auf über 200 Seiten seiner Doktorarbeit nicht ordnungsgemäß nachgewiesene Zitate gefunden wurden. Daß ihm der Doktortitel entzogen wurde, ist letztlich auch keine Spielerei, sondern erfolgte eben aufgrund dieser massiven Verstöße gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. Letztlich ist es der Feigheit der Universität Bayreuth zuzuschreiben, daß sie sich (noch) nicht getraut hat, aufgrund der zahlreichen Indizien einen Täuschungsvorsatz anzunehmen. Dies dürfte jedoch von der Kommission nachgeholt werden, die die Arbeit des Freiherrn zur Zeit untersucht, zumindest, wenn sie sich an die gängige Rechtssprechung hält.

Dies alles ficht die Heldenverehrer, die sich heute in Hamburg versammeln wollen, nicht an. Der auch nach dieser unbeschreiblichen Fehlleistung von zahlreichen Journalisten und Politiker noch immer als »Ausnahmepolitiker« und »großes politisches Talent« verklärte zu Guttenberg hat bis heute keine echte Einsicht in seine Fehler gezeigt. Auch in seiner Abschiedserklärung beschreibt er sich mehr als Opfer denn als Täter. Solange er weiterhin so uneinsichtig ist, kann er nicht in die Politik zurückkehren.

Überdies sind seine Bewunderer ohnehin bislang die Erklärung schuldig geblieben, warum zu Guttenberg eigentlich ein »Ausnahmepolitiker« sein soll. Letztlich hat er als Verteidigungsminister zahlreiche Male bewiesen, daß er es immer verstand, andere Leute zu entlassen, wenn es um die politische Verantwortung für Fehler ging. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht kann nicht als besonderes Verdienst gewertet werden, denn daß die Wehrgerechtigkeit nicht mehr gewährleistet ist, wurde schon seit Jahren diskutiert und unter der Hand auch von den Befürwortern der Wehrpflicht eingeräumt. Es wäre nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis das Verfassungsgericht in dieser Frage zu entscheiden gehabt hätten.

Nichtsdestotrotz werden wir heute Abend in den Nachrichten die Bilder jener sehen, die für zu Guttenberg demonstrieren und sich dabei für die letzten Verteidiger des beliebtesten Politikers halten, den die Republik je hatte. Vielleicht müssen sie das auch glauben, weil sie sich sonst eingestehen müßten, daß sie einer von den Medien erzeugten Illusion aufgesessen sind. Angela Merkel sollte zumindest konsequenterweise bei dieser Demonstration als Ehrengast auftreten, denn auch sie scheint bis heute nicht verstanden zu haben oder verstehen zu wollen, daß massenhafte Plagiate bei einer Doktorarbeit kein Kavaliersdelikt sind.

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