Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung


Die Meldung klingt eigentlich ein bißchen nebensächlich, aber die Zentralbank will die Zinsen um 0.25 Prozentpunkte anheben um damit die Inflation zu bekämpfen – genau wie es die neoliberale Ideologie vorschreibt. Denn Inflationbekämpfung spielt in der neoliberalen Ideologie neben der Entstaatlichung eine zentrale Rolle. Der landläufige Neoliberale betrachtet gängigerweise die Inflationsbekämpfung als wichtiger als die Schaffung von Arbeitsplätzen. Grundsätzlich glaubt er nämlich, daß Inflationsbekämpfung durch Zinserhöhung zu Arbeitsplätzen führe.

Aus diesem Grund wünscht sich der Neoliberale eine unabhängige Zentralbank, die gegebenenfalls auch gegen das Interesse der Schaffung von Arbeitsplätzen die Zinserhöhung zur Bekämpfung der Inflation durchsetzt.

Der Kommentator Alexander Hagelüken begrüßt auch in seinem Kommentar bei SZonNet von heute (Auf Krawall gebürstet, SZonNet 07.04.2011; »Dem Sparbuch zuliebe« Süddeutsche Zeitung, 08.04.2011, S. 4) die Entscheidung Trichets. Es bestehe unter anderem die Gefahr, daß die hohe Inflation (2% sind hoch?) die Gewerkschaften zu hohen Lohnabschlüssen treibe und Arbeit teurer werde und die Inflation noch weiter angetrieben werde. Daß auf der anderen Seite durch Kredite finanzierte Investitionen teurer werden und gegebenenfalls unterbleiben, was Arbeitsplätze kostet, wird natürlich nicht erwähnt.

Weil in der neoliberalen Welt Lohnerhöhungen ohnehin des Teufels sind, wird auch jetzt die eigentlich eher lächerliche Inflation von etwas über 2% im Euroraum dazu benutzt, auf die Zinsbremse zu treten um Lohnerhöhungen zu verhindern. Niedrigere Lohnsteigerung und niedrige Inflation sind gut für die Profite, was natürlich hinter der Wand vernebelt wird, daß eine hohe Inflation auch die Ersparnisse der Sparer gefährden würden.

Beschworen wird auch die Inflationshysterie, die aus der Hyperinflation der 1920er Jahre resultiert. Zwar weist der Kommentator dies vorsichtig zurück, aber gut, daß wir es mal erwähnt haben. Die Inflation seinerzeit ist jedoch mit der Teuerung von heute nicht zu vergleichen. Damals sind die Menschen direkt von der Lohnausgabe zu den Geschäften gerannt, weil allein schon auf diesem Weg das Geld immer weniger wert wurde. Von solchen Zuständen sind wir weit entfernt, also ist es überhaupt Unsinn, auf dieses historische Vorbild zu verweisen.

Im Kern geht es mal wieder darum, wegen der drohen Inflation und der gestiegenen Zinsen einmal mehr Lohnzurückhaltung zu fordern. Gleichzeitg wird mit der Verteuerung von Investitionen auf Kredit die Schaffung von Arbeitsplätzen behindert. Wieder einmal hat die Ideologie Vorfahrt vor der Vernunft. Insofern spricht eben doch vieles für eine politisch abhängige Zentralbank, die sich in die gesellschaftlichen Ziele von Politik einbinden lassen muß statt von Ideologen beherrscht zu werden, denen die eigene Anschauung wichtiger ist als die gesellschaftliche Wohlfahrt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s