Sarrazin bleibt – Verständnis geht.


Nun soll Sarrazin also doch Mitglied der SPD bleiben. Nach einer wachsweichen Erklärung Sarrazins erteilte ihm die Schiedskommission der SPD Absolution. Niemals habe es in seiner Absicht gelegen, gegen sozialdemokratische Grundsätze zu verstoßen, so Sarrazin, auch habe er nie Migranten diskriminieren wollen. Echte Einsicht gehe allerdings aus seiner Erklärung nicht hervor, so die Süddeutsche Zeitung (Der seltsame Osterfriede mit Sarrazin).

Thilo Sarrazin hat in der Vergangenheit zahlreiche Male bewiesen, daß er einem Elitenfaschismus anhängt, daß er die Schwächsten der Gesellschaft verachtet und sie für ihre prekäre Lage selbst verantwortlich macht. Mit abstrusen Polemiken gegen Hartz-IV-Empfänger und Ausländer hat er sich immer wieder ins Gerede gebracht. Nach seiner Erklärung, in der er laut Süddeutscher Zeitung vor allem Mißinterpretationen seines Buches beklagte, segnete ihn die Schiedskommission der SPD.

Dabei fragt sich in der Tat, was an dem Buch eigentlich mißzuverstehen ist. Seine Biologismen kann man dort ebenso nachlesen wie seine unbarmherzige Haltung gegenüber jenen, die in dieser kapitalistischen Gesellschaft an den Rand gedrängt wurden. Seine Thesen, daß der »falsche« Teil der Bevölkerung die vielen Kinder bekommt (»Deutschland schafft sich ab«, S. 149f), ist dort ebenso nachzulesen wie die Forderung, dafür zu sorgen, daß die »Klugen« mehr Kinder bekommen sollten (ebd., S. 331ff).

Bedauerlich für die SPD, daß sie nicht die Kraft hatte, sich von diesem Mann zu trennen, erweckt dies doch den Eindruck, daß Sarrazins Thesen sich doch klammheimlicher Zustimmung zumindest innerhalb der Parteiführung erfreuen könnten. Zumindest der schleswig-holsteinische SPD-Chef Stegner hat dieses fatale Signal erkannt und Sarrazin zu Recht nahegelegt, doch in eine rechtspopulistische Partei überzutreten. Denn in der Tat, dort paßt er eindeutig besser hin.

Über Ostern will sich die SPD zu dieser Entscheidung nicht öffentlich äußern. Wir dürfen also mit Spannung darauf warten, welche wohlfeile Ausrede uns nach Ostern für diese fragwürdige Entscheidung angeboten wird.

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