Wulff rechtfertigt sich – und sieht nichts ein.


Eigentlich hätte es wirklich ein Befreiungsschlag werden können, was sich gestern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abgespielt hat. Da saß Bundespräsident Christian Wulff den Hauptstadt-Chefs von ARD und ZDF gegenüber und beantwortete Fragen. Die wohl seiner Meinung nach wichtigste zuerst: Nein, Wulff tritt nicht zurück. Im Laufe der folgenden 20 Minuten erfahren die Zuschauer auch, warum:

Wulff ist der Meinung, daß alles Rechtens war, wenn vielleicht auch nicht richtig. Doch damit macht er es sich zu einfach. Er hat sich über weite Strecken dieser 20 Minuten als Opfer dargestellt und wenig Einsicht gezeigt. Geradezu vorwurfsvoll hob er hervor, daß er nicht Bundespräsident eines Landes sein wolle, in denen Politiker nicht mehr bei Freunden übernachten dürften! Und so weiter.

Nach wie vor zeigt Christian Wulff deutlich, daß er noch immer nicht verstanden hat, was an seinem Verhalten kritikwürdig ist. Er mag mit den Unternehmern schon lange befreundet sein, aber wenn er ein öffentliches Amt bekleidet, dann muß er, wenn ihm an Glaubwürdigkeit gelegen ist, dafür sorgen, daß auch nicht einmal der Verdacht von Vorteilnahme aufkommt. Statt dessen beharrt er wie ein trotziges Kind darauf, daß seine Urlaube bei seinen Unternehmerfreunden richtig gewesen seien. Er spricht von Demut und zeigt sie nicht. Er will auf die Annehmlichkeiten seiner Kontakte zu Unternehmern nicht verzichten, will dafür aber auch nicht kritisiert werden.

Sein Verhältnis zu den Medien müsse er neu ordnen, was immer das auch heißen mag. Bislang schien er keine Probleme damit gehabt zu haben, sich bunten Blättern zu präsentieren und diese über sein Privatleben berichten zu lassen. Hierin war er zu Guttenberg nicht unähnlich. Und wie zu Guttenberg ärgerte auch er sich darüber, wenn die Medien mal nicht freundlich über ihn berichten wollten.

Gestern Abend stellte sich Christian Wulff nicht, wie der Titel der Sondersendung von ARD und ZDF vermuten ließ. Es war vielmehr der verzweifelte Versuch Christian Wulffs, die Affären hinter sich zu bringen und trotzdem weitermachen zu können wie bisher.

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