Warum Ministerin Schavan der Titel entzogen werden sollte


In der Diskussion der letzten Tage in den Medien wird der Eindruck erweckt, daß das alles gar nicht so schlimm sei, was sie sich bei ihrer Doktorarbeit geleistet habe, und daß die Diskussion, die es in den letzten Monaten gegeben habe, schon Strafe genug sei (siehe u.a.: Preuß, Roland: »Annette Schavan, Dr. Fehler«). Dies ist nicht der Fall.

Dabei hat Annette Schavan ihrem Amt jetzt schon geschadet und ist als Ministerin nicht mehr tragbar. Wenn es zum Rücktritt kommt, wird allerdings nur ihre Fehlleistung bei ihrer Doktorarbeit im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Ein Gutachter bescheinigte ihr bereits eine »leitende Täuschungsabsicht«. Nicht aber wird gesprochen über ihre Fehlleistungen als Ministerin, zum Beispiel bei der gesetzlichen Wegbereitung für mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse an der Universität. Wer  sieht, wie sehr sich die Beschäftigungslage der Wissenschaftler verschlechtert hat, der versteht die höchsten Töne nicht, in denen ihre Politik zuweilen in den Medien gelobt wird.

Einmal mehr steht somit nicht die Leistung eines Ministers im Amt zur Diskussion, sondern die Fehlleistung bei der Erstellung des Doktortitels. Doch auch das ist schlimm genug, denn wer bei der Doktorarbeit täuscht oder nicht sauber arbeitet, mag dies auch in anderen Bereichen des Berufs nicht tun.

Wenn Annette Schavan nicht entsprechend der wissenschaftlichen Standards gearbeitet hat, muß ihr der Titel entzogen werden. Das ist die Wissenschaft allein schon jenen Akademikern Schuldig, die ihre Abschlußarbeiten sorgfältig und sauber angefertigt haben. Viele von ihnen stecken nun in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die durch Schavans Gesetzgebung geschaffen werden, und haben nicht die schützende Hand der Kanzlerin über sich. Sie haben nicht getäuscht oder geschlampt und trotzdem bleibt ihnen die Karriere verwehrt.

Schon deshalb ist der Entzug des Titels notwendig, wenn die Universität zu dem Schluß kommt, daß die wissenschaftlichen Standards nicht eingehalten wurden. Wurden diese nicht eingehalten, so ist es letztlich zweitrangig, ob dies aufgrund von Täuschung oder Schlamperei geschieht. Der Doktortitel bescheinigt seinem Inhaber, daß er in der Lage ist, wissenschaftlich zu arbeiten. Ist er das nicht, muß ihm der Titel abgenommen werden.

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