Corona – Lockern oder nicht lockern?


Im Vorfeld der nächsten Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten zur Corona-Krise nimmt die Diskussion über Öffnungen und Lockerungen einmal  mehr Fahrt auf. Der Druck aus der Wirtschaft wächst und die Politik scheint immer mehr bereit zu sein, dem nachzugeben. Dabei zeigt der Blick auf die Infektionszahlen, daß eigentlich gar kein Raum für eine solche Diskussion ist, zumal, wenn man aus der Vergangenheit lernen würde.

Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen:

März 2020

1 995

April 2020

3 240

Mai 2020

721

Juni 2020

426

Juli 2020

466

August 2020

1 087

September 2020

1 561

October 2020

7 404

November 2020

17 837

December 2020

21 480

Januar 2021

16 020

Februar 2021

8 070

Quelle: Eigene Berechnung auf der Grundlage der Tagesmeldungen des RKI

Im Sommer 2020 lagen die Zahlen deutlich unter den heutigen. Seinerzeit war die Politik der Auffassung, die im Vorfeld der Urlaubszeit bestehenden Reisewarnungen aufzuheben, um den Menschen den Urlaub zu ermöglichen. Es folgten entsprechende Quarantäne-Regelungen und ein kostenloser Test für Reiserückkehrer. Geholfen hat das alles nicht. Ab August stiegen die Infektionszahlen, wie oben in der Tabelle zu sehen ist, wieder an, und der Anstieg nahm im Herbst an Dramatik zu.

Noch im October stellte die Politik den Menschen die Ermöglichung eines Weihnachtsfests in der Familie in Aussicht. Dieses Versprechen mußte jedoch angesichts der Zahlen der Neuinfektionen im December wieder zurückgenommen werden. Statt dessen mußte der Lockdown noch einmal nachgeschärft werden.

Schon während der Pandemie rissen die Diskussionen um die Bedeutung der Freiheitsrechte der Menschen auch in Pandemiezeiten, die bevorzugt von Journalisten und Juristen (und auch aus der Wirtschaft heraus) geführt wurden, nicht ab. Einige erweckten den Eindruck, daß die Freiheitsrechte und die wirtschaftliche Lage des Landes wichtiger seien als die Gesundheit und das Leben der Menschen. Dabei gerieten allenfalls die Menschen noch in den Blick, die an oder mit Corona starben. Daß Corona mit dem Fatigue-Syndrom (Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom) auch schwere gesundheitliche Folgen nach sich zieht, die zwar nicht zum Tod, jedoch zu einer langwierigen schweren Krankheit führt, von der vorzugsweise junge Menschen befallen werden, kommt in der öffentlichen Diskussion kaum vor.

Wichtig sei es, die Kindergärten und Schulen zu öffnen. Hervorgehoben wird das Recht der Kinder auf Bildung, wobei wohl eher der Wunsch eine Rolle spielt, die Eltern von den Betreuungsaufgaben zu befreien, damit diese wieder arbeiten gehen können. Dabei hält sich das zähe, im Sommer 2020 entstandene Gerücht, daß Schulen keine Infektionsherde seien. Zwar ist dies inzwischen auch durch Studien widerlegt, gleichwohl wird die Öffnung der Schulen auch weiterhin mit diesem (Schein-)Argument gerechtfertigt.

Während nun also vermeintlich die zweite Corona-Welle abflacht, warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einer möglichen dritten Welle, die durch die Mutationen, die deutlich ansteckender sind als das ursprüngliche Virus, noch beschleunigt werden können. Unbeeindruckt davon wird jedoch weiterhin über Öffnungen diskutiert und dieser Tage fröhlich Schulen und Kindergärten geöffnet, obwohl der Rückgang der Infektionszahlen offenbar beendet ist und diese wieder ansteigen.

Die bessere Strategie wäre gewesen, im Sommer 2020, als die Infektionszahlen niedrig waren, den Menschen zu sagen, daß auf Urlaub verzichtet werden müsse und daß es vorläufig keine Lockerungen geben könne um das große Ziel zu erreichen, die Pandemie zu überwinden. Dies würde allein schon durch die Unvernunft vieler Menschen erschwert, die sich über die ganze Zeit nicht an die Vorgaben gehalten haben, wäre aber vielleicht doch die erfolgreichere Strategie gewesen, die in Teilen der Bevölkerung auch durchaus auf Zustimmung stieß.

Bedauerlicherweise fehlt der Politik zu einem solch drastischen Schritt, gerade in einem Wahljahr wie 2021, die Kraft. Statt dessen wird auf Impfung und Schnelltest gesetzt, wobei die Effizienz der Impfstoffe noch nicht in vollem Umfang erwiesen ist. Das Impfen der Bevölkerung ist wichtig und richtig, sollte zugleich aber nicht mit voreiligen Versprechungen verbunden werden, die am Ende vielleicht doch wieder eingesammelt werden müssen. Zurückhaltung und Vorsicht wären eindeutig besser als eine voreilige Öffnungsstrategie zu verfolgen, auf die dann möglicherweise wieder ein schwerer Lockdown folgen wird und muß. Der Politik wäre mehr Mut zu wünschen, sich gegen die Interessengruppen durchzusetzen zum Wohle der ganzen Bevölkerung.

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