Corona-Inzidenz über 100 am 24.10.2021


Die bundesweite Inzidenz hat am Samstag, den 23.10.2021 erneut den Wert von 100 erreicht. Damit liegt sie so hoch wie seit dem Frühjahr nicht mehr, als das Erreichen der Inzidenz von 100 die Bundesnotbremse auslöste.

Bis zum heutigen 24.10.2021 liegt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus höher als im gesamten October 2020. Während im gesamten October 2020 die Zahl der Neuinfektionen 229.534 betrug, liegt bereits heute die Zahl der Neuinfektionen bei 238.656 und damit um 9.122 Neuinfektionen höher als im gesamten October 2020. Gegenüber dem Vormonat September 2021 liegt die Zahl der Neuinfektionen um 45.989 niedriger, was bis Monatsende auch noch überschritten werden dürfte.

Jeder Monat dieses Jahres (rot) hatte eine höhere Gesamtzahl von Neuinfektionen im Monat als der Vorjahresmonat (blau) des Jahres 2010. Insgesamt lag die Zahl der Neuinfektionen im Jahr 2020 bei 1.719.737 – während sie in diesem Jahr bis zum 24.10.2021 bei 2.746.420 Neuinfektionen liegt.

Corona-24-10-2021

(Quelle der Zahl RKI und eigene Berechnung auf der Grundlage der Zahlen des RKI)

Wie nun allerdings der Gesundheitsminister Jens Spahn angesichts dieser Zahlen auf die Idee kommen kann, das Ende der epidemischen Lage nationaler Tragweite ausrufen zu wollen, bleibt sein Geheimnis. Möglicherweise möchte er als der Gesundheitsminister in die Geschichte eingehen, der die Menschen von den Corona-Beschränkungen erlöste und den sogeannten »Freedom-Day« ausrief. Verantwortungsbewußt ist das nicht, denn die steigen Zahlen indizieren, daß auch die Zahl der Menschen steigt, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Und so ist mittlerweile auch ein Streit zwischen Bund und Ländern entbrannt, bei denen letztere weiterhin an einer rechtlichen Grundlage für mögliche Einschränkungen festhalten möchten, sollte sich die Lage weiter verschärfen. Ohnehin liegt es nur noch teilweise in der Hand des scheidenden Gesundheitsministers, wie es bei Corona weitergeht, denn über eine neue Regierung wird bereits verhandelt und am Dienstag wird der neue Bundestag zusammentreten, der dann über die Fortsetzung oder das Ende der epidemischen Lage entscheiden wird.

Ohnehin war es kein Vorteil für die Corona-Politik, daß in diesem Jahr die Bundestagswahlen stattfanden, denn im Vorfeld der Bundestagswahl war bereits zu beobachten, daß die Politik immer weniger auf die wissenschaftlichen Ratschläge hörte. Auch hier tat sich unter anderem Jens Spahn hervor, der ohne Rücksicht auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfahl, alle Jugendlichen über 12 Jahre zu impfen, obwohl die STIKO dies nur für jugendliche Risikopatienten empfahl.

Angesichts der steigenden Zahlen warnen inzwischen auch Ärzte vor einem schwierigen Herbst und Winter mit Corona. Schon deshalb ist es ein völlig falsches Signal, das einzelne Politiker senden, wenn sie so tun, als sei die Pandemie praktisch schon vorbei.

Zugleich bleibt noch die Frage, warum eigentlich die Zahlen so dramatisch steigen, obwohl inzwischen mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft ist. Haben die Kritiker tatsächlich recht, die meinen, die Impfung bringe nichts?

Das ist in der Tat nicht der Fall. Zu den Ursachen für die höheren Zahlen zählt, daß die Corona-Pandemie inzwischen weiter verbreitet ist, als vor einem Jahr, und damit auch das Risiko höher ist, sich anzustecken. Ohne die Impfkampage dürften die Zahlen jetzt noch deutlich höher sein, sowohl jene der Neuinfektionen als auch die Zahl derer, die an oder mit Corona verstorben sind. Die Impfung schützt die Bevölkerung effektiv, auch wenn es vereinzelt zu Impfdurchbrüchen kommt, die darauf hindeuten, daß der Impfstoff auch weiterentwickelt werden muß.

Notwendig ist zudem, daß auch die armen Länder flächendeckend mit Impfstoffen versorgt werden, was eine Frage der Achtung der Menschenwürde der Bevölkerung in diesen Ländern ist. Dies liegt letztlich auch im Interesse der Industrieländer, weil sonst die armen Länder Brutstätten für weitere Varianten des Coron-Virus werden könnten.

Bezogen auf die Bundesrepbulik täte die Politik gut daran, weniger von Lockerungen und mehr von Vorsicht zu reden, denn je schneller die Corona-Zahlen grundlegend zurückgeführt werden können, um so eher können Lockerungen stattfinden, die dann auch nicht gleich wieder in nächsten oder übernächsten Monat wieder zurückgenommen werden müssen – so wie es bei den vergangenen Wellen in der Corona-Pandemie war.

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