»Spuren im Schnee«

Seit Mitte December 2010 ist mein Buch »Robert Cranes Spuren im Schnee« inzwischzen in zweiter Auflage im Buchhandel erhältlich! Es handelt sich um meine erste Buchveröffentlichung.

Robert Cranes Spuren im Schnee

Robert Cranes Spuren im Schnee

»Robert Cranes Spuren im Schnee« enthälft sechszehn spannende Kurzkrimis von mir, die ich in den Jahren von 1986 bis 2015 geschrieben habe. Für das Buch habe ich selbstverständlich nur die besten Kurzkrimis ausgewählt, die in der Vergangenheit bei Freunden und meiner Familie ein positives Echo hatten.

Im Keller eines Hauses wird eine Leiche gefunden und die Mieter verdächtigen sich gegenseitig. Als er aus einem Postamt kommt wird Robert Crane Opfer einer bizarren Entführung. Während Andrew Egan in einem Café auf seine Freundin wartet, blättert er in einer herumliegenden Zeitung, was unerwartete Folgen für ihn hat.

Neben rein fiktionalen Kurzkrimis befinden sich auch weitere in dem Buch, die sich an reale Ereignisse anlehnen. Der Kurzkrimi »Ladenschluß« nimmt einen kritischen Bezug auf die Berichte, die im Umfeld seiner Entstehung in den Medien zu sehen waren. Hier gerät der Filialleiter eines Discounters unter Druck, weil er die Firmenpolitik nicht mitmachen möchte. Und der Kurzkrimi »Mann ohne Gedächtnis« nimmt Bezug auf ein politisches Attentat.

Zu beziehen ist das Buch über den regulären Buchhandel oder Internet-Plattformen wie buch.de, buecher.de, thalia.de oder jpc.de.

Leseprobe aus »Spuren im Schnee«:

Spuren im Schnee

Geschrieben: 1988

Es war einfach immer das Selbe: Immer, wenn es draußen kalt war, wurde Inspektor Read zu einer Leiche gerufen, die in irgendeinem entlegenen Winkel eines kahlen und kalten Waldes lag. So machte sich Inspektor Read also mit seinen Leuten auf den Weg in den Wald.

Als er dort ankam war von dem Mann, der angerufen hatte, nichts mehr zu sehen, obwohl Inspektor Read ihn beschworen hatte, dort zu bleiben. Auch dies wiederholte sich mit geradezu erschreckender Regelmäßigkeit.

Der Tote lag zwischen einigen kahlen Laubbäumen im Schnee, der vom Blut rot gefärbt war.

»Erschossen«, stellte der Gerichtsmediziner auf den ersten Blick fest.

»Das ist mir nicht entgangen«, erwiderte Inspektor Read. »Wissen Sie auch, von wem?«

Der Gerichtsmediziner schüttelte seinen Kopf. Natürlich wußte er es nicht.

Inspektor Read stand frierend im Wald, von dem Mann, der die Leiche gefunden hatte, war keine Spur zu sehen und der Gerichtsmediziner hatte mit einem Blick auf die Leiche festgestellt, daß der Tod durch Erschießen eingetreten war. Inspektor Read stand und sah zu, wie der Mediziner die Leiche untersuchte. Dabei achtete der Mediziner darauf, daß er die Lage der Leiche nicht veränderte.

»Wo, zum Henker, ist der Photograph?«, fragte Inspektor Read. Alle hoben ihre Schultern.

»Kommt wohl noch«, erwiderte einer der Polizisten.

Der Schnee leuchtete weiß, die Bäume ragten dunkel und unheimlich in den Himmel und vom Täter war keine Spur zu sehen. Es war immer das Selbe.

Inspektor Read fror, obwohl er in einen Wintermantel gekleidet war. Seine Leute trugen ebenfalls Wintermäntel, und zwar waren diese Mäntel blau wie die Uniformen, die sie im Sommer trugen. Nur der Inspektor trug einen grauen, der Mediziner einen braunen Mantel.

Inspektor Read lief ein wenig auf und ab, nicht, weil er etwas suchte, sondern weil er sich aufwärmen wollte. Dabei fielen ihm Spuren im Schnee auf, Tapser, die jemand hinterlassen hatte, der mitten in den Wald gegangen war.

Sollte der glückliche Entdecker der Leiche etwa doch Spuren hinterlassen haben, oder vielleicht sogar der Täter? Brauchte Inspektor Read nur den Spuren im Schnee zu folgen, die ihn zu der Wohnung des Täters führen würden, der mit der noch rauchenden Waffe vor seiner Haustür stehen würde?

Das war absurd. Inspektor Read stand in einigen Metern Entfernung vom Fundort des Toten, der im blutgetränkten Schnee lag und bei dem der Mediziner mit dem ersten Blick erkannt hatte, daß eine Kugel seinem Leben ein Ende gesetzt hatte.

Immer wieder ging Inspektor Read den Waldweg entlang und der Schnee knirschte unter seinen Schuhen. Noch war der Inspektor der einzige, der von den Spuren im Schnee wußte, und er würde sich zunächst noch hüten, seine Leute darauf aufmerksam zu machen.

Schließlich packte den frierenden Inspektor doch die Neugier und er folgte den Spuren. Sie führten ihn immer weiter in den Wald, immer weiter weg von seinen Leuten und der Leiche die mit einem Schuß aus einer Waffe in ihren derzeitigen Zustand gebracht worden war.

Inspektor Read ging immer tiefer in den Wald und die Stimmen seiner Leute wurden immer leiser. Offenbar vermißten sie ihn noch nicht, denn ihm zu folgen war ja nicht besonders schwer. Zumindest Grovan hatte gesehen, daß der Inspektor den Waldweg einige Meter entlang gegangen war, und von dort ab brauchte er nur der Spur zu folgen, wenn er sie sah.

Doch offenbar waren Inspektor Reads Leute noch immer vollauf mit der Leiche beschäftigt, bei der der Mediziner sofort den Einschuß erkannt hatte.

Inspektor Read folgte den Spuren immer weiter in den Wald und die Hoffnung, daß sie zum Täter oder zum Finder der Leiche oder gar zu einem Zeugen führte, schwand mit jedem Schritt, den er tat, obgleich es schon verdächtig war, wenn jemand einen solchen Marsch ins Unterholz unternahm, zumal, wenn in der Nähe eine Leiche lag.

Vielleicht aber hatte noch jemand die Leiche entdeckt und sich einen Spaß daraus gemacht, diese falsche Spur zu legen, um die Polizei irrezuführen.

Die Spur führte weiter und weiter und der Inspektor fragte sich langsam, wieso er nicht umkehrte und einen seiner Leute dieser Spur folgen ließ, doch irgend etwas zwang ihn, der Spur weiter zu folgen.

Seine Leute waren nun außerhalb der Hörweite des Inspektors. Sie würden vermutlich noch immer mit bedrückten Gesichtern um die Leiche herumstehen und niemand würde eine Idee haben, wie man nun zur Aufklärung des Verbrechens beitragen könnte. Offenbar kam niemand auf den Gedanken, ein paar Schritte auf und abzulaufen, dachte der Inspektor, denn sonst müßten sie auf die Spur stoßen. Vermutlich war er der einzige Polizist, der fror.

Die Spur führte ihn weiter und weiter, immer zwischen kahlen Bäumen entlang, und immer wieder um einen weiteren Baum. An manchen Stellen war der Schnee offenbar mit dem Fuß etwas aufgewühlt worden, so als hätte jemand etwas gesucht.

Langsam kam es dem Inspektor lächerlich vor, der Spur weiter zu folgen, doch irgendetwas veranlaßte ihn, immer weiter zu gehen.

Sie war recht frisch, diese Spur, und sie führte von Baum zu Baum, als ob jemand ein Versteckspiel spielen würde. Wieder dachte Inspektor Read an einen Witzbold, der sich einen Scherz mit der Spurensicherung machen wollte.

Irgendwann mußte diese verfluchte Spur doch mal im Kreis führen, überlegte der Inspektor, zumindest mußte sie bald durch den ganzen Wald geführt haben.

Der Inspektor folgte der Spur und starrte sie wie hypnotisiert an, folgte ihr um den nächsten Baum und den nächsten Baum und noch einen Baum.

Inspektor Read blickte immer wieder kurz auf, doch es war niemand zu sehen. Nur die Spur, die sich zwischen den Bäumen immer tiefer in den Wald hinein schlängelte.

Langsam beschlich den noch immer frierenden Inspektor der Verdacht, daß er der Spur eines Betrunkenen folgte, der eine möglichst tiefe Stelle im Wald suchte, um sich zu erleichtern. Aber es konnte auch anders sein, überlegte der Inspektor, und folgte der Spur.

Die Leiche hatte er schon nahezu vergessen, ebenso den Mediziner, der auf den ersten Blick die Todesursache erkannte. Eigentlich hatte er den Mord schon ganz vergessen. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf die Spur gerichtet, die in Schlangenlinien um die Bäume im Wald verlief.

Je länger der Inspektor der Spur folgte, desto weiter rückte der Mord aus seinem Bewußtsein, der Mann, der den Toten gefunden, gemeldet und sich dann aus dem Staub gemacht hatte, und erst recht der mögliche Täter. Nur die Kälte, die spürte er noch.

Nach einiger Zeit blickte sich der Inspektor um. Er hatte völlig die Orientierung verloren. Er war immer nur der Spur gefolgt. Nun stellte er sich die Frage, ob er der Spur weiter folgen oder ob er sie einfach rückwärts verfolgen sollte, um wieder zum Fundort der Leiche zurückzukehren.

Er beschloß, der Spur weiter zu folgen. Der Mord war in das Bewußtsein des Inspektors zurückgekehrt, und somit auch die Leiche und der Mediziner, der mit einem Blick erkannte, was dem Leben des Opfers ein Ende bereitet hatte.

In einiger Entfernung war dichtes Gebüsch zu erkennen und die Spuren hielten direkt auf das Gebüsch zu. Stammten die Spuren vielleicht doch vom Täter, der die Waffe im Gebüsch versteckt hatte? Sollte der Täter tatsächlich so dumm gewesen sein, einfach so durch den Schnee zu stapfen und somit die Polizei direkt zur Tatwaffe zu führen?

Inspektor Read kam an dem dichten Gebüsch an und blieb davor stehen. Sollte hierin die Waffe liegen, mit der das Mordopfer getötet wurde?

Plötzlich raschelte es im Gebüsch. Inspektor Read nahm seine Waffe aus seiner Manteltasche und entsicherte sie.

»Hey, Sie«, rief er, »kommen Sie da mit erhobenen Händen heraus!«

Zwei Hände schossen aus dem Gebüsch hervor, denen zwei Arme mit blauen Ärmeln eines Mantels folgten. Dann stand ein Mann aus dem Gebüsch auf. Inspektor Read ließ überrascht seinen Revolver sinken.

»Verzeihen Sie, Sir«, sagte der Mann, noch immer leicht erschrocken. »Ich dachte, ich beginne schon einmal nach der Tatwaffe zu suchen.«

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